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Kleinmachnow
als Künstlerort Gespräch
der Kleinmachnower Zeitung (KLMZ) mit Harald
Kretzschmar (HK) zu seinem neuen Buch „Paradies der
Begegnungen“ - 2008
KLMZ
Am 26. September werden sie im Bürgersaal des Rathauses
Kleinmachnow Ihr neues Buch präsentieren. Was dürfen wir
uns unter dem Titel „Paradies der Begegnungen“
vorstellen?
HK
Es handelt sich um jenes Buch, das unter dem Arbeitstitel „Kommen
und Gehen“ vor einem Jahr bereits sehr bildhaft mit der
Ausstellung der Porträtzeichnungen dazu im Rathaus angekündigt
wurde. Auf der wunderschön stimmungsvollen Eröffnung Ende
August 2007 im Rathaussaal erhielt ich die Zusage, dass die Gemeinde
die Hälfte der gezeigten Porträts – nämlich die
repräsentativen Formate - erwirbt und in der zweiten und dritten
Etage des Hauses dauerhaft als ortsbezogenen Wandschmuck aufhängt.
Das ist inzwischen geschehen. Der angesehene Leipziger Verlag Faber &
Faber schloss daraufhin einen Vertrag mit mir, der eine ästhetisch
ansehnliche Gestaltung der Publikation möglich machte.
KLMZ
Immerhin ist ja durch Bücher wie „Südwestlich
siedeln. Von der Villenkolonie zur Bürgerhaussiedlung“ und
„Hightech für Hitler. Die Hakeburg – vom
Forschungszentrum zur Kaderschmiede“ ein Qualitäts-Lavel
vorgegeben.
HK
Nicola Bröcker und Celina Kress als Autorinnen des einen sowie
Professor Hubert Faensen als Autor des anderen Bandes haben gediegene
Forschungsarbeiten zu ihren Themen vorgelegt. Dahinter durfte ich in
der Qualität meiner Untersuchungen nicht zurück bleiben. Da
es sich um ein durch Dieter Mehlhardt und Herbert Lange nur in den
allerersten Ansätzen recherchiertes Thema handelte, ein
schwieriges Unterfangen. Der Umfang der Besiedlung durch Künstler,
die häufig enorme Qualität ihrer Schaffensergebnisse und
die gegenseitige „Vernetzung“ in gemeinsamen Projekten –
das alles erschloss sich mir erst in der nunmehr über
dreijährigen ununterbrochenen Arbeit zum Thema.
KLMZ
Kam Ihnen dabei zugute, dass Sie selbst schon in sehr jungen Jahren
Teilhaber an diesem „Künstlerbiotop Kleinmachnow“
(wie Sie es gern nennen) wurden, und viele der von Ihnen nun
Porträtierten selbst kannten?
HK
Selbstverständlich war das eine der Voraussetzungen, unter denen
man ein wagehalsiges Unternehmen von diesem Umfang überhaupt nur
in Angriff nehmen konnte. Viele Gespräche und so manches
Nachlesen da und dort waren von frühen Erfahrungen inspiriert.
Manches entdeckte ich völlig neu. Erst die genauere Betrachtung
der Jahrzehnte vor meinem Eintreffen im Ort 1956 machte mir den roten
Faden deutlich, den ich aufzunehmen und abzuspulen hatte. Sehr
schnell wurde mir klar, wie einzigartig der Ort einerseits durch
tragische Momente und andererseits glückliche Fügungen über
ganze Zeitabschnitte hinweg war. Wie geradezu paradigmatisch sich
hier bestimmte kulturgeschichtliche Zusammenhänge am Rande einer
Hauptstadt zeigen lassen.
KLMZ
Die Leser unserer Zeitung haben Sie in den letzten Jahren bereits mit
Themen wie „Rückkehr der Emigranten“ oder „William
Wauer“, „Lothar Warneke“ oder „Georg
Gradnauer“ vertraut gemacht. Waren das alles bereits Proben für
das Buch?
HK
Ja, Ausschnitte aus Kapiteln, die sich während der Arbeit noch
veränderten. Ich musste in Bewegung bleiben, um die nunmehr
textlich erfassten etwa 170 Personen möglichst präzise und
dennoch anekdotisch unterhaltsam darzustellen. Besonders wichtig
waren authentische Zitate von ihnen. Manche Texte gehen über
mehrere der insgesamt 288 Seiten, manche nur über eine halbe. Je
nachdem. Schweren Herzens musste ich 1990 den zeitlichen Endpunkt
setzen, und alle heute um die 50 Jahre Alten damit ausschließen.
Das bedeutete immerhin, so wichtige Künstler wie Martin Ahrends
oder Daniela Dahn, Milan Samko oder Susanne Grützmann nicht mehr
würdigen zu können. Andererseits waren politische
Zusammenhänge nur mittels politischer Akteure darzustellen.
Immerhin sollte mein Buch jeweils Kapitel in den oben genannten
Standardwerken fortsetzen und ergänzen.
KLMZ
Bei soviel tiefgründiger Ernsthaftigkeit der gewissenhaften
Nachforschung – ist Ihnen da nicht allmählich der Humor
des geborenen Karikaturisten vergangen? Oder sind sie nun als
Heimatforscher Angehöriger einer wissenschaftlichen Disziplin
geworden?
HK
Das eine nicht, und das andere nur teilweise. Mein Spaß an der
Sache hat sich im Laufe der Zeit sogar gesteigert, und ich hoffe, das
hat sich auf die flotte Lesbarkeit meiner Zeilen ausgewirkt. Ich bin
allerdings am Ende selbst erschrocken, dass die etwa 100 Zeichnungen
in einem solch umfangreichen Text sich fast verlieren. Auf einem
Buchformat von 19 x 25 cm allerdings konnten wir das Ganze locker
arrangieren. Das Register aller vorkommenden Namen stellt auf 11
dicht bedruckten Seiten wahrscheinlich absoluten Rekord dar. Im Kern
ist das Ganze ein Sachbuch – im Interesse der besseren
Lesbarkeit allerdings ohne Fußnoten. Dem Heimatverein bin ich
auf diese Weise als Forscher immer näher gekommen – viele
der genutzten Bücher finden Sie übrigens im dortigen
Bestand. Dass ich mit diesem Buch nun Schriftsteller geworden bin,
liegt wohl auf der Hand. Wissenschaftler aber nicht.
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